Drehbücher

EINLEITUNG

Ein gutes Drehbuch zu schreiben ist schwierig, erst recht weil es einfach seien muss. Mit verhältnismäßig wenigen Worten muss eine ganze Welt geschaffen werden, in der sich eine fesselnde, bewegende Geschichte abspielt.

Die Gefahr sich an Klischees zu bedienen ist besonders hoch, wenn die Ideen dafür ausgegangen sind, wie man eine anschpruchsvolle Geschiche ganz leicht erzählen kann. Deswegen sind viele Köpfe sehr hilfreich. Folgend mein Entwurf für den Drehbuchanfang:

 

INTRO

AUSSEN – MÜNCHEN – ZEITRAFFER

Historische Szenen/Filmausschnitte:

Von ca. 1900 bis in die Gegenwart. Durch die Stadt fahren die ersten Autos, Straßenbahnen, usw. die Stadt entwickelt sich, der erste Weltkrieg hinterlässt Spuren, die Nazis marschieren ein, Hitler wird gefeiert. Die Stadt wird durch Bomeben zerstört und wieder aufgebaut. Entwickelt sich weiter zur sichersten Stadt Deutschlands, glückliche Menschen in Cafes an der Isar. Am Hauptbahnhof erkennt man die Schere zwischen Arm und Reich, (wenn z.B. ein Ferarrie neben einem Bettler parkt). Kulturen treffen aufeinander (z.B. Frauen mit Kopftuch stehen vor einem Striplokal). Ansonsten Reichtum überall. Das Oktoberfest wird streng überwacht. Es herrscht eine glückliche, ausgelassene Feierstimmung.

Die Bilder werden von einem fortschreitenden Kalenderblatt begleitet.

Es folgen Zukunftsszenen im Zeitraffer:

Die folgenden Bilder werden von einem digitalen Kalender begleitet.

Ab 2030 fliegen Drohnen über der Stadt, selbstfahrende Autos flitzen durch die Straßen. Diese Entwicklung setzt sich fort. Es werden mehr Drohnen, sie schwirren regelrecht über die ganze Stadt, auch größere Drohnen für Personen. Das Oktoberfest wird aus der Luft überwacht. Die Stimmung ist gut, jedoch nicht mehr ausgelassen, verhältnismäßig zivilisiert. Aus den Straßen sind Parkflächen geworden. Alles ist friedlich und gut überwacht von unzäligen Kameras. Hoch aus der Luft wird die Stadt von Militärdrohnen bewacht. Es gibt Flugabwehrtürme. Anzeichen von Krieg!

2060 herrscht ein Krieg aus der Luft. Militär-Drohnen bekämpen sich untereinander und zerstören dabei auch die Stadt großflächig.

AUSSEN – MÜNCHEN – TAG

Eine Ruinenstadt. Grau und braun. Die vielen Parkflächen sind größtenteils verdorrt. Futuristische Gebäude liegen in Trümmern. Von den Oktoberfestzelten sind nur noch Gerippe übrig geblieben.

Sehr vereinzelt sind Menschen zu sehen und ein paar/wenige „rustikale“ Drohnen fliegen umher. Alle Geschäfte sind geschlossen/verbarikadiert.

Dann: Eine laute Explosion ist zu hören, Rauchwolken steigen über der Stadt auf. Menschen flüchten in alle Richtungen und verschwinden in Gassen und Gebäuden.

AUSSEN – ISAR – TAG

Die Isar ist zu einem braunen Rinnsaal geschrumpft – trostlos. Im Wasser treibt Müll.

ANATOL, 30 Jahre alt, drahtig/dürr, abgekämpt, läuft in geduckter Haltung in ein (heruntergekommenes, historisches) Mehrfamilienhaus am Isarufer. In der Nähe steigen Rauchwolken auf.

AUSSEN – MÜNCHEN – ABEND

Der Himmel über der Stadt ist rot. Die Rauchwolken verziehen sich langsam. Es ist ruhig. Dann wird es dunkel und der Titel erscheint: MÜNCHEN 2072

1. AKT FLUCHT AUS MÜNCHEN

SEQUENZ 1 – GROSSE NOT

SZENE 1 – HUNGERSNOT

INNEN – TREPPENHAUS – ABEND

ANATOL kniet auf der Treppe und späht durch ein Loch in der Wand nach draußen. Er lauscht. Es ist leise. Er geht die Treppe nach oben. Dort sitzt ein alter MANN in bayerischer Tracht (Lederhose, kariertes Hemd) auf der Treppe im Schummerlicht. Eine leere Schnapsflasche in der Hand.

MANN Hey Anatoli! Was warn das vorhin fürn irre Knall da draußen?

ANATOL No Idea, wahrscheinst nur ne Gasexplosion.

MANN Ja, sos wird’s wohl gewesen sein. War is over. Hast du mir was Schens mitgebracht?

Der Mann hält die leere Schnapsflasche nach oben und schüttelt sie.

ANATOL No, leider nich, zero, ich könnt selbst was brauchn.

Anatol geht langsam an dem Mann vorbei die Treppen hoch.

MANN (OFF) Ja, ja, ich weiß: Die fetten Jahre sind längst scho vorbei! Und weißte: Die paar Krümel aus dein Hosentaschen sind mir eh egal!

INNEN – WOHNUNG – NACHT

Eine dunkle Wohnung. ANATOL zündet ein paar Kerzen an. Die Fenster sind verkleidet. Die Einrichtung ist spartanisch. Er sinkt in einer Ecke des Raums zu Boden und zieht etwas aus der Hosentasche. Aus einem Tuch wickelt er etwas aus. Er dreht das kleine Stücke in der Hand und mustert es. Langsam fängt er an darauf herum zu kauen. Aantol sagt zu sich selbst: „Dieser alte Hundling, der sieht alles!“

AUSSEN – MÜNCHEN – NACHT

Die Stadt liegt da, dunkel und ruhig, kaum ein Licht ist zu sehen.

AUSSEN – WOHNGEBÄUDE – MORGENS

In einem Fenster im oberen Stockwerk wird eine Holzverkleidung zur Seite geschoben. Anatol taucht dahinter auf. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint. Die Straßen sind menschenleer und alles ist still. Anatol blinzelt zufrieden in die Morgensonne. In einem hohen Baum entdeckt Anatol einen bunten Vogel (ein Papagei). Er freut sich und ruft ihm zu: „Hey mein wunderschöner Freund! Du bist heute mein Glücksbringer! Heute wird ein guter Tag“

INNEN – TREPPENHAUS – TAG

Anatol kommt (verspielt wie ein kleines Kind) die Treppe herunter gesprungen. Der alte Mann schläft an gleicher Stelle. Anatol schütellt ihn wach.

ANATOL Hey alter Mann! Heute haben wir Glück, ich bin mir ganz sicher, heute besorge ich Essen und Trinken, soviel dass wir platzen ! Warts nur ab! Heute wird gefeiert!

MANN Ja, mach nur! Essen ist egal, hauptsache Trinken!

ANATOL Kann ich deinen Rucksack?

MANN Ja, nimm nur, ist eh nichts drin.

Der Mann zieht unter seinem Kopf einen Rucksack heraus, lehnt sich ans Treppengeländer und schläft wieder ein.

Anatol schnallt sich den Rucksack um und hüpft weiter die Treppen runter.

SZENE 2 – LEBENSMITTELBESCHAFFUNG

AUSSEN – MEHRFAMILIENHAUS / ISAR – TAG

Anatol kommt aus der Tür gestürmt und atmet (die frische Luft) tief ein. Er sieht sich kurz um und sucht dann die Baumwipfel am Isarufer ab. Er entdeckt den Papagei in dem Augenblick wo dieser davon fliegt.

ANATOL Ja mein Freund: Flieg! Ich folge dir mein Freund, das ist genau meine Richtung.

Er rennt in die gleiche Richtung am Isar-Ufer entlang.

AUSSEN – ISARUFER – TAG

Anatol bricht durch das Gestüpp an das braune Wasser herunter. Er stapft hinein und zieht eine selbstgebaute Fisch-Reuse heraus. Darin liegt ein toter Fisch. Er nimmt ihn heraus und riecht dran. Angeekelt wirft er ihn ins Wasser: „Scheiße verflucht!“

„Scheiße verflucht!“, er lässt die Reuse fallen, und rennt durch das Wasser an die Stelle wo er den Fisch hingeworfen hat. Er findet ihn und zieht ihn wieder heraus.

Am Ufer liegen gesammelte Plastikflaschen die Anatol mit Wasser auffüllt und im Rucksack verstaut.

AUSSEN – STRASSE/RUINENLANDSCHAFT – TAG

Anatol läuft mit dem Fisch von sich gestreckt durch die Straßen. Ein paar abefrackte Leute stehen an einer Ecke herum. Sie atmen abwechselnd in eine Tüte.

MANN Hey, du! Was hastn da gutes?

ANATOL Ein vergammelten Fisch – dient nur als Ratten-Köder!

MANN Schade! Wird der Ratte auch nich schmecken, wird eher dran verrecken!

ANATOL Besser es zu versuchen als sich nur zuzudröhnen!

MANN Das einzige was man in dieser verrecketen Stadt machen kann ist sich den Kopf weg ballern!

ANATOL Wahscheinlich…

Eine Frau aus der Gruppe, die gerade die Tüte in der Runde weitergereicht hat, mischt sich nun ein. Sie wirkt zugedröhnt.

FRAU Pass auf (sie zeigt in die Richtung in die Anatol läuft), da gabs gestern ne Explosion, Blindgänger oder so, kann noch mehr passieren!

ANATOL Danke für den Tipp.

Anatol rennt weiter in eine dunkle Gasse. Dort steht ein Einkaufswagen auf dem Kopf, mit Falltüre daran. Sie ist nicht ausgelöst. Der Korb ist leer. „Verdammt nochmal!“.

Er legt den Fisch in die Falle und überprüft den Mechanismus der Klappe.

ANATOL Verdammtes Pech! Scheiß Kackvogel, hat mir kein Glück gebracht. Ich hätte ihn essen sollen!

Anatol rennt weiter durch die Straßen. Vor einer Gasse bleibt er stehen und schaut sich um: niemand zu sehen. Er schiebt sich durch ein kleines Loch in einem Zaun.